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Museum Fotoatelier Seidel
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Josef und Franz SeidelProjekt Fotoatelier Seidel, ilustrační obrázek

Josef Seidel (deutscher Nationalität) wurde am 2. Oktober 1859 in der Gemeinde Hasel bei Děčín (Teschen) in der Familie eines Glasschleifers geboren. Nachdem er Fotograf erlernte, wanderte er als fotografischer Gehilfe durch Siebenbürgen, Ungarn, Böhmen und Österreich. Zwei Jahre lang arbeitete er auch in Wien bei einer Firma, die fotografische Platten herstellte.

Etwa im Frühling 1886 kam Josef Seidel in den Böhmerwald. Hier erfuhr er, dass die Witwe nach dem Krumauer Fotografen Gotthard Zimmer einen Leiter des Fotoateliers sucht. Wahrscheinlich schon im Herbst desselben Jahres arbeitete Josef Seidel in Český Krumlov (Krumau). Nach zwei Jahren übernahm er das fotografische Atelier im Garten des Hauses in der Linzerstraße Nr. 64 als dessen Leiter. Kaufverträge schloss er dann mit Frau Karoline Zimmer im Jahr 1900 ab.

Der allseitige und talentierte Seidel erreichte bald beträchtliche Erfolge und Ruhm. Neben dem Porträtieren, dem sich die meisten Fotografen widmeten, konzentrierte sich Seidel auf das Fotografieren der Schönheiten des Böhmerwaldes (Šumava), und zwar in allen Jahreszeiten. Er gehörte zu den Bahnbrechern des Skifahrens und zu den ersten Fotografen, die ihren Motiven auf Skiern nachfuhren. Im Sommer benutzte er wieder zu seinen Reisen ein Fahrrad und später auch ein Motorfahrrad. Seit 1905 begann Seidel zu seinen Ausflügen in den Böhmerwald das Motorrad Laurin-Klement (Viertaktmotor mit 6 FS bei 500 ccm) zu benutzen, was sein Reisen beträchtlich beschleunigte.

1891 begann er in Zusammenarbeit mit dem schlesischen Fotografen Adalbert Rehnert seine Aufnahmen auch auf Diapositive (im Format von 8 x 8 cm) zu kopieren. Später benutzte man die Diapositive, von denen einige meisterhaft koloriert wurden, auch zu Vorträgen.

In derselben Zeit schuf er die ersten Panoramaaufnahmen, um 1920 z. B. das Böhmerwald-Panorama als ein aus 28 Aufnahmen bestehendes Leporello. Auf einer meisterhaften Aufnahme vom Berg Kleť (Schöninger) aus gelang es ihm auch die entfernten Alpengipfel festzuhalten, die über dem Böhmerwald emporragen.

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Seidels bedeutende Etappe als Experimentator begann mit der Anwendung des Autochromverfahrens, der ersten in der Praxis verbreiteten Technik der Farbfotografie. Josef Seidel gehört zu den ersten professionellen Fotografen bei uns, die die Autochrom-Technik zur Herausgabe von Farbansichtskarten, von denen die ältesten wohl bereits 1910 herausgegeben wurden, anwendeten.

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In dieser Zeit hatte Josef Seidel bei seinem fotografischen Betrieb schon einen prosperierenden Verlag, der seine Fotografien - Ansichtskarten in verschiedenen Formaten in einer Auflage von 100 bis 1000 Stück von einer Aufnahme herausgab. Den größten Erfolg sollen die Blicke vom Spitzenberg (Špičák) aus und die Böhmerwald-Seen gehabt haben. Es ist charakteristisch, dass oft auch der Text mit der Beschreibung des Motivs und der Signatur des Fotografen in das Negativ einkopiert wurde.

Projekt Fotoatelier Seidel, ilustrační obrázek 1905 wurde das Haus mit dem Atelier, dessen Gestalt bis heute erhalten blieb, umgebaut. Das Haus wurde so zu einem völlig einzigartigen technischen und kulturellen Denkmal. Der Anbau des Hauses war vielleicht ein Geschenk zur Hochzeit, zu der sich Josef Seidel in verhältnismäßig spätem Alter entschloss.

Am 21. Mai 1908 wurde sein Sohn Franz geboren, dessen Schicksal war, den Spuren seines Vaters zu folgen. Mit siebenundzwanzig übernahm er nach dem Tode seines Vaters Josef (am 21. Oktober 1935) einen wohl etablierten soliden Betrieb. Die prosperierende Firma hatte in dieser Zeit 11 Angestellte und wurde in drei Abteilungen geteilt - die Porträt-, Amateur- und Ansichtskartenabteilung. Franz leitete den Betrieb bis 1949, als er von den Kommunisten aufgelöst wurde. Ein Teil des Archivs von Negativen wurde vom damaligen Ministerium für Informationen und Aufklärung beschlagnahmt. Seidels Ansichtskarten mit Landschaftsmotiven gab dann in den 50er Jahren der staatliche Verlag Orbis heraus.

Franz Seidel setzte auch weiterhin die Arbeit als Fotograf im Kommunalbetrieb fort. Seitdem er das Familienatelier schließen musste, berührte er es bis zu seinem Tode nicht mehr und nur zu seinen privaten Zwecken benutzte er die Fotokammer. Sein Lebensschicksal war sehr bewegt - während des Zweiten Weltkriegs wurde er ein Jahr lang von den Faschisten gefangen gehalten, nach dem Krieg erlebte er die Aussiedlung seines Bruders und seiner Verlobten (böhmische Deutsche) nach Deutschland, es folgte die kommunistische Verfolgung... Seine Verlobte konnte erst nach komplizierten Verhandlungen in der Mitte der 50er Jahren zurückkehren, aber es war schon zu spät, Kinder haben zu können. Franz Seidel starb am 7. Januar 1997.

Josef und Franz Seidel hinterließen ein mit seinem Inhalt sowie Umfang völlig außerordentliches Werk, das ausführlich den südöstlichen Teil des Böhmerwaldes festhält. Das erhaltene Archiv der Aufnahmen bietet ein einzigartiges Material zum Studium der Kulturgeschichte und erinnert an die bewegte Zeit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts einschließlich der problematischen tschechisch-deutschen Frage.

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Ihr Motivregister war sehr breit: es reichte von Atelierporträts und Gruppenaufnahmen bis zum Festhalten verschiedener Gestalten und Typen des Böhmerwaldes. Die Landschaftsaufnahmen ergänzten die Aufnahmen der Architektur einschließlich Innenräume, Aufnahmen vom Arbeitsmilieu und Aufnahmen von verschiedensten Festen, u. a. von den bekannten Passionsspielen in Höritz (Hořice). Die Aufnahmen bieten eine detaillierte Fotodokumentation der Städte einschließlich der einzelnen Straßen und Plätze, Dörfer, Kirchen u. a. Denkmäler, Natur und Landschaft. Es gelang eine Reihe von schwer zugänglichen, heute oft bereits untergegangenen Orten festzuhalten. Genrebilder führten bis zum Festhalten des Alltags, der alltäglichen Momente des Lebens und der Arbeit sowie Erholung und Sport.

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Man kann sagen, dass Seidel der treuste Bildchronist des Böhmerwaldes wurde. Der Umfang seines Werkes führte zur häufigen Benutzung der Aufnahmen in Zeitschriften sowie Büchern, deren Aufzählung wirklich umfangreich wäre. Den alten Böhmerwald auf Fotografien ohne Seidels Aufnahmen vorzustellen wäre unmöglich.

Seidels Fotografien sind durch ihre geografische Monothematik außerordentlich. Den Böhmerwald und dessen Vorland stellen sie jedoch in rarer Ganzheit und Vielfalt vor. Dadurch ist Seidels Werk mit dem Werk eines anderen professionellen Fotografen in Böhmen dieser Zeit schwer zu vergleichen. Vor allem diese Tatsache stellt Josef Seidel zu den bedeutendsten Fotografen seiner Zeit.

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Quellen und Literatur

  • Český Krumlov na starých pohlednicích [Krumau auf alten Fotografien]. Muzeum Český Krumlov, 1992
  • L. Budínský: Kdo zachrání fotoateliér... [Wer rettet das Fotoatelier...]in: Magazín Lidových novin. 28. 2. 1997.
  • Petr Jelínek: Josef Seidel, in: www.ckrumlov.cz
  • I. Jordan: Photographie im Böhmerwald 1880 - 1940, Steyer 1984;
  • Pavel Scheufler: Galerie C.K. fotografů [Galerie der k. k. Fotografen], Grada Publishing, 2000, S. 162 - 164. 
  • Pavel Scheufler: Josef Seidel Antique V, 1998, Nr.12, S. 28-29. 
  • Pavel Scheufler: K počátkům fotografie na Šumavě [Zu den Anfängen der Fotografie im Böhmerwald], in: Autorenkollektiv: Šumava. Příroda, historie, život. Miloš Uhlíř - Baset, 2003, S. 483 - 488. 
  • Pavel Scheufler: Příběh fotografa [Die Geschichte des Fotografen]. In: Lidové noviny, 1992, 11. 12. 
  • V. Starý: Stará Šumava [Der alte Böhmerwald]. Vimperk 1991 
  • Eva Zajíčková: Fotoateliér otce a syna Seidelových je nedoceněnou památkou [Das Fotoatelier des Vaters und Sohns Seidel ist ein zu gering geschätztes Denkmal], in: MF DNES, 8.1.2000, S. 3. 
Foto des Monats > Fotobank Fenomén Seidel - kdo se nenechá vyfotit u Seidela Českém Krumlově, jako by nebyl. Časopis Barbar! - květen 2014, strana 6 a 7
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9:00 – 12:00 | 13:00 – 17:00
letzte Führung 16:00
Montag - geschlossen

April (Mo-So)
9:00 – 12:00 | 13:00 – 17:00
letzte Führung 16:00

Mai bis September (Mo-So)
9:00 – 12:00 | 13:00 – 18:00
letzte Führung 17:00

Oktober bis Dezember (Mo-So)
9:00 – 12:00 | 13:00 – 17:00
letzte Führung 16:00
24.12. und 31.12. geschlossen

Infolinie:

+420 380 712 354
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